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Der 18-jährige Patrick Aiple ist erster Bundessieger im Stukkateurhandwerk. Nach der Bundeswehr will er auf jeden Fall seinen Meister machen - mit dem Stipendium aus dem Wettbewerb.

Medaillenregen für Hamburg

Hamburg - Seit über zehn Jahren fiel das Ergebnis nicht so gut aus wie in diesem Jahr: viermal Gold, sechsmal Silber und einmal Bronze. Das macht zusammen elf Medaillen für Hamburg im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks 2007. Herzlichen Glückwunsch! NordHandwerk stellt die vier „Goldjungs“ und ihre Ausbildungsbetriebe vor.


36 Jahre lang gab es keinen Bundessieger im Stukkateurhandwerk in Hamburg. In diesem Jahr hat es geklappt. Patrick Aiple gewann die Goldmedaille gegen acht Mitbewerber und ist mit 18 Jahren auch noch Hamburgs jüngster Bundessieger. Da ist die Freude groß! Auch bei Seniorchef Klaus Hecker vom Ausbildungsbetrieb O. Werner & Söhne in Eppendorf: „Dass Patrick Talent für diesen Beruf hat, das hab ich sofort gesehen!“ Der Beruf mit Formen, Gips und Stuck macht Patrick großen Spaß. Deshalb will er nach der Bundeswehrzeit unbedingt seinen Meister machen – und hierfür das Stipendium aus dem Wettbewerb nutzen.

Einsatz für den Beruf

Den Beruf des Stukkateurs lernte Patrick Aiple als Schüler auf der „Straße des Handwerks“ kennen. Davor ging es ihm wie seinen Freunden heute: Was ein Stukkateur ist – davon hatte er keine Vorstellung. Aber dort, auf dem Rathausmarkt, gefiel ihm dieser Beruf sofort. So gut, dass er sogar sein lukratives Hobby „Synchronsprechen“ hierfür aufgab (Kaffee-Werbung für Melitta). Denn ein Jahr vor seinem Hauptschulabschluss absolvierte er zunächst ein Praktikum bei O. Werner & Söhne und nach dem Schulabschluss bekam er dann die Ausbildungsstelle. Besonders gut gefiel Patrick Aiple bei seiner Ausbildung, dass er selbst viele Stukkarbeiten machen konnte. So war er als einziger Landessieger Hamburgs zwar automatisch im Wettbewerb, aber bestens vorbereitet für das „Spiel mit Formen“– die Aufgabenstellung.
O. Werner & Söhne bildet jedes Jahr einen Azubi aus. Geschick, Interesse und Sorgfalt – darauf komme es an, sagt Klaus Hecker, dessen Sohn Mike 1991 den Betrieb übernommen hatte.

Einzigartiger Beruf

Auch Thore Söhl lernte wie Patrick Aiple einen besonderen und in seiner Form einzigartigen Beruf: Maßschuhschneider bei Benjamin Klemann. Maßschuhe, das sind die „Rolls Royce“ unter den Schuhen. Individuell nach der Fußform des Kunden gefertigt und von einzigartiger Qualität. Jeder Schuh wird hier von Hand eingestochen und ist rahmengenäht.

Für Thore Söhl war der Ausbildungsplatz ein Glücksgriff. Der Hauptschüler hatte lange gesucht, bevor er mit Hilfe seines Onkels einen Praktikumsplatz bei Klemann fand und dann die Lehrstelle. „Wir sind einzigartig in Deutschland. Das ist hier schon etwas ganz Besonderes und macht großen Spaß“, sagt er. „Die Kunden erwarten etwas für ihr Geld. Und das bekommen sie auch!“ Auf gute Leistung kommt es an – das weiß auch Thore Söhl. Und die hat auch er gezeigt.
So wie Eduard Kumylin. Erst seit sechs Jahren ist der gebürtige Russe in Deutschland. Als 18-Jähriger kam er mit seiner Familie aus Sibirien, lernte die deutsche Sprache und bekam über ein Praktikum beim Ausbildungszentrum der Bau Innung Hamburg schließlich einen Ausbildungsplatz zum Fliesen-, Platten- und Mosaikleger. Zunächst fehlte etwas das Glück, da die erste Firma in die Insolvenz geriet. Doch schließlich übernahm ihn die Firma Rudolf Scheel e.K. und dort bewieß der Vater eines vierjährigen Sohnes dann sein Können und holte den Bundessieg gegen zehn Konkurrenten.

Sieger und Individualisten

Bundessieger – dahinter stecken Karrierewege mit unterschiedlichen Startpositionen. Doch ob Haupt-, Realschulabschluss oder Abitur: Im Handwerk ist alles drin und vieles möglich. „Top-Leistung kann nur erbracht werden, wenn das Zusammenspiel zwischen Lehrling, Betrieb und Schule stimmt!“, ist Handwerkskammer-Präsident Peter Becker überzeugt. „Das starke Ergebnis in diesem Jahr steht nicht nur für Quantität, sondern vor allem auch für die Qualität der Ausbildung in Hamburg. Diese jungen Leute sind tolle Vorbilder für andere!“
Auch bei der Firma Sertronics (ehem. Deubel + Höfermann Elektronic GmbH) hat Ausbildung einen hohen Stellenwert. Der Dienstleister will Europas größtes Reparatur-Service-Unternehmen werden und braucht hierfür hervorragende Fachkräfte. In der extrem schnelllebigen Elektrobranche ist eine gute Ausbildung deshalb elementar. Lars Schröder lernte bei Sertronics Informationselektroniker, Schwerpunkt Geräte- und Systemtechnik, und machte parallel dazu seinen Technischen Betriebswirt. Der 24-jährige Hamburger hat sich gegen acht Konkurrenten durchgesetzt und will nach einer Zeit im Betrieb ein Bachelor-Studium anschließen.

Alle Preisträger

Die zweiten Bundessieger sind Dennis Sievert (Bäcker/Heinz Hintelmann), Robert Brasch (Feinwerkmechaniker/Lothar Kahl GmbH), Melanie Hinthal (Gebäudereiniger/BOGDOL Gebäudetechnik), Kim-Vincent Birkefeld (Orthopädieschuhmacher/Holger Lütz), Max Handke (Zweiradmechaniker/Stüdemann GmbH). Der dritte Bundessieger ist Florian Herrmann (Informationselektroniker, Schwerpunkt Bürosystemtechnik/Mittermeier & Ungelenk) GmbH. (NordHandwerk/mü)