News-Detailansicht


Foto: istock/Lindlahr

Hamburgs Wirtschaft für die Zeit nach Covid-19 fit machen

Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, ruft zum Beginn der Koalitionsverhandlungen dazu auf, jetzt die Weichen für eine Erholung der Wirtschaft nach der Krise richtig zu stellen.


Hamburg, 23.04.2020 – Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg: „Es ist ein wichtiges Zeichen für unsere Demokratie, dass trotz der aktuellen Krise nun die Koalitionsverhandlungen der Wahlsieger aus dem Februar beginnen. Unzweifelhaft ist es richtig, dass alle politischen Akteure Hamburgs sich gerade voll darauf konzentrieren, die Corona-Situation zu bewältigen. Diese Leistung verdient großen Respekt und unsere ganze Unterstützung. Was wir aber bei aller Konzentration auf das Jetzt dennoch nicht vergessen dürfen, ist die Planung für die Zukunft. Der neue Senat hat die Chance, beginnend mit den heute startenden Verhandlungen die Weichen richtig zu stellen für die Zeit, in der die Wirtschaft sich von der Coronakrise erholt – und auch in dieser Zeit wird Hamburg alle Register ziehen müssen. Die Hamburger Wirtschaft insgesamt und das Handwerk im Besonderen müssen krisenfest aufgestellt werden, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Das Handwerk wünscht sich einen zügigen Ablauf der Koalitionsverhandlungen, um verlässliche Ansprechpartner für die nächsten fünf Jahre zu haben.

Das gilt nicht zuletzt für das Handwerk: Viele Handwerksbetriebe haben in der Krise mit massiven Auftragsrückgängen zu kämpfen, andere müssen derzeit sogar aufgrund behördlicher Anordnungen vorübergehend komplett schließen. Die Auswirkungen dieser Zeit werden viele Unternehmen und Selbstständige noch lange spüren. Die Erholung nach der Krise wird besser gelingen, wenn SPD und Grüne in ihren Verhandlungen mutige Schritte nach vorn machen, um Unternehmen gute Rahmenbedingungen für ihren Erfolg zu bieten – sie brauchen diese mehr denn je. Folgende sechs Bereiche sind dabei besonders entscheidend:

  • Fachkräfte: Der neue Senat sollte die Kompetenzen der Schulabgänger verbessern und die Duale Ausbildung fördern, etwa durch den Ausbau der Stadtteilschulen zum Hauptweg in die berufliche Bildung. Auch in den Gymnasien ist die Duale Ausbildung im Rahmen der Berufs- und Studienorientierung gleichwertig zum Studium als Perspektive nach dem Abschluss darzustellen. Zudem sollte das Landesprogramm „Qualifizierung im Handwerk“ fortgeführt werden.
  • Gewerbeflächen: Flächen für das Handwerk sind im Bestand zu erhalten und im Neubau zu schaffen. Letzteres gilt insbesondere auch für Neubauquartiere wie Kleiner Grasbrook und Oberbillwerder. Ferner ist eine weitere und noch intensivere Förderung von Gewerbehöfen erforderlich, damit handwerkliche Betriebe auch künftig eine Perspektive in Hamburg haben.
  • Stadtverkehr: Die Garantie der „letzten Meile“ für den motorisierten Wirtschaftsverkehr ist eine Voraussetzung für erfolgreiches Wirtschaften in nutzungsgemischten Quartieren. Beim Handwerkerparken braucht es eine Verschlankung und Vereinfachung des Verfahrens bis zur pauschalen Ausnahmegenehmigung. Beim Umstieg auf alternative Antriebskonzepte braucht das Handwerk Unterstützung.
  • Innovation und Digitalisierung: Viel stärker als bisher muss die Innovationsförderung darauf ausgerichtet werden, auch Handwerksbetrieben Perspektiven zu eröffnen – sie fallen bislang regelmäßig durchs zu enge Raster. Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, wird es aber mehr denn je darauf ankommen, bei Innovationen gerade im digitalen Bereich Schritt zu halten und zudem die Kompetenz des Hamburger Handwerks z.B. im 3D-Druck einzubinden.
  • Öffentliche Aufträge: In ihrer eigenen Einkaufspolitik kann die Stadt Zeichen setzen, indem sie wo immer möglich auf Dienstleister aus dem Hamburger Handwerk vertraut. Dieselbe Praxis muss künftig auch für die öffentlichen Unternehmen Hamburgs gelten.
  • Klimaschutz: Die Klimawende bleibt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, auch wenn sie im Augenblick vorübergehend weniger im Fokus steht. Das Handwerk leistet durch die Umsetzung klimaschonender Technologien etwa im Bereich der Erneuerbaren Energien und der energetischen Gebäudesanierung einen wichtigen Beitrag. Der neue Senat kann dies unterstützen, indem er sich für eine weitere steuerliche Privilegierung solcher Handwerksleistungen einsetzt und gemeinsam mit der Handwerkskammer eine Fachkräfteinitiative für „Klimawendetechniker“ in den entsprechenden Gewerken startet.

Gemeinsam kann es gelingen, Beschäftigung im Handwerk zu sichern und Betrieben eine Perspektive zu geben.“