ELBCAMPUS

11.09.2026Klima: Hamburgs Energiewende braucht kluge Speicher

Bei der renommierten Fachtagung Housewarming 2026 zeigten Handwerkskammer, Hamburger Energienetze und Hamburger Energiewerke den Stand der klimafreundlichen Transformation in der Hamburger Energieversorgung auf

Hamburg, 11. September 2026 – Wie Hamburg bei der klimafreundlichen Transformation der Energieversorgung von Gebäuden vorankommt und welche Technologien zügige Fortschritte versprechen – mit diesen Themen befassten sich am 11. September rund 100 Fachleute aus Politik, Versorgungswirtschaft, Handwerk und Planungspraxis bei der 14. Housewarming-Tagung im Elbcampus der Handwerkskammer Hamburg. Netze und Speicher waren der Schwerpunkt in diesem Jahr. Prominenter Redner war der Regensburger Energieforscher Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner.

Zentrale Fragen waren: Wie gelingt der zügige, sozialverträgliche Umbau der Wärmeinfrastruktur – und wie lassen sich die praktischen, planerischen und politischen Herausforderungen dabei meistern? Im Eröffnungstalk machten Michael Dammann, Geschäftsführer der Hamburger Energienetze, und Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, deutlich, wie eng Wärmetransformation und Infrastrukturentwicklung miteinander verknüpft sind. Dammann hob hervor, dass beim Stromnetz dreistellige Millioneninvestitionen und eine gezielte Digitalisierung anstehen, um immer mehr E-Mobilität und Wärmepumpen zu versorgen. Beim Erdgas ginge es um einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb bis 2045, während der Aufbau des Hamburger-Wasserstoff-Industrienetzes, HH-WIN, vorangetrieben werde. Stemmann schilderte die Sicht des Handwerks auf die wachsenden Belastungen durch lange Baustellenzeiten und betonte die Notwendigkeit einer verlässlichen, frühzeitigen Kommunikation und besseren Abstimmung im Stadtumbau.

Die Relevanz von Energiespeichern unterstrichen bereits die Podiumsgäste in der Eröffnungsrunde mit Dr. Kai Hünemörder vom ZEWU (Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik der Handwerkskammer Hamburg). Kirsten Fust, Sprecherin der Geschäftsführung der Hamburger Energiewerke nannte die Einbindung von lokalen Wärmequellen wie industrielle Abwärme und Geothermie sowie Großwärmepumpen einen zentralen Ansatz in der Wärmewende. Michael Dammann von den Hamburger Energienetzen betonte, dass bei elektrischen Batteriespeichern vor allem deren netzdienlicher Betrieb dringend regulatorische Anreize benötigt. Handwerkskammer-Vizepräsident Thomas Rath erinnerte an die Bedeutung der Fachkräftesicherung, um die Energieversorgung auf dem Weg zu einem klimaneutralen Gebäudebestand in den nächsten 15 Jahren ins Werk zu setzen. Nur in einem abgestimmten gemeinschaftlichen Vorgehen könne der der Anteil erneuerbarer Energien, der im ersten Halbjahr 2026 beim Bruttostromverbrauch auf 58 Prozent gestiegen war, weiter deutlich anwachsen und neben der rein elektrischen Versorgung auch für den Wärmesektor stärker nutzbar werden. Einigkeit herrschte in der Runde über die Notwendigkeit, die Versorgung mit Strom, Gas, Wärme und Wasserstoff als System zu begreifen und die Energieträger künftig noch enger zu verknüpfen.

Hamburger Energiewende durch „Zukunftsentscheid“ beschleunigt

Mit dem auf 2040 vorgezogenen Ziel der Klimaneutralität hat Hamburg einen zügigen Handlungsbedarf. Besonders interessant verfolgten die Tagungsteilnehmer daher den Vortrag von Rahel Gessler, Leiterin Klima- und Umweltprojekte und -programme der Stadt Zürich. Die Schweizer Großstadt hat zwar nur ein Viertel der Einwohner Hamburgs und eine deutlich geringere industrielle Dichte. Dennoch sind viele Ansätze aus der Schweiz auch für Hamburg erfolgversprechend. So will Zürich Wärme künftig aus Abwärme und Abfall gewinnen. Züricher Haushalte und Unternehmen profitieren von einem stimmigen Nebeneinander gesetzlicher Vorgaben und Förderung und Beratung beim Ablösen von Öl- und Gasheizungen.

In Hamburg gibt die kommunale Wärmeplanung den Kurs für die Gebäudewärme vor. Die Schwerpunkte stellte Ann-Katrin Knemeyer vor, zuständig in der Umweltbehörde für die Umsetzung der Wärmeplanung. Wie aus der Planung Realität wird, beschrieben Dr. Ulrich Liebenthal von den Hamburger Energiewerken und die Projektingenieurin Reenie Vietheer vom Beratungsunternehmen Averdung in einer anschließenden Talkrunde. Tom Lindemann von den Hamburger Hamburger Energienetzen stellte den Stand beim Aufbau des Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netzes HH-WIN vor. Das Netz wird vor allem für Industrieunternehmen, aber auch für große Wärmeerzeugungsanlagen ab Ende nächsten Jahres eine wichtige Option zur Dekarbonisierung bieten.

Speicher müssen Energiewende unterstützen

Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner vertiefte in seinem Vortrag das Thema Systemdienlichkeit vom Speichern. Er gab eine rechtliche und regulatorische Einordnung großer Stromspeicher, vor allem der aktuell vielerorts entstehenden Groß-Batteriespeicher. Solche Anlagen würden heute häufig unter rein kaufmännischen Gesichtspunkten betrieben – speicherten also Strom zu günstigen Nachtstunden ein und gäben den Strom zu preislich attraktiven Spitzenlastzeiten ab. Das sei aber oft problematisch für die Energienetze und die Integration zusätzlicher erneuerbarer Energie in das System. Er stellte klar, dass hier eine kluge Regulierung gefragt sei, die einen Netz- und systemdienlichen Ansatz unterstütze. Nur so könnten Flexibilitäten einen Beitrag leisten, damit Netzausbaukosten im Rahmen bleiben können und die konsequente Fortsetzung der Energiewende gelingen kann. Auch Langzeitspeicher – darunter die Elektrolyse zur Speicherung als grüner Wasserstoff – werde eine wichtige Rolle für die Energiezukunft spielen.

Eine spannende Diskussionsrunde zur Umsetzung elektrischer Speicherprojekte seitens Planern und Handwerk lieferte Prof. Sterner später zusammen mit Nick Zippel, Geschäftsführer der NAEXT GmbH und der Frank ECOenergy GmbH und Bastian Pfarrherr, dem Leiter Netzstrategie der Hamburger Energienetze.

Ein Großprojekt zur Wasserstofferzeugung und -speicherung realisiert derzeit der Oldenburger Energieversorger EWE. Details zu dem 320-MW-Elektrolyseprojekt in Emden und zum geplanten Wasserstoffspeicher im niedersächsischen Huntorf schilderte die Wasserstoff-Expertin Eva Stede von EWE.



Die Fachtagung Housewarming startete 2012 als Kooperation des Hamburger Gasnetzbetreibers und dem ZEWU (Zentrum für Energie-, Wasser- und Umwelttechnik der Handwerkskammer Hamburg). Aufgrund des regen Interesses an Innovationen der Gebäude- und Energietechnik vermitteln beide Partner bis heute am Elbcampus Handwerkern, Planern, Energieberatern und Multiplikatoren Kenntnisse auf dem neuesten Stand. Nach Gründung der Hamburger Energienetze und einer vertieften Kooperation mit den Hamburger Energiewerken richtet sich der Blick der Partner auf die große Bandbreite sinnvoller Wärmeversorgungsoptionen und gebäudeenergietechnischer Innovationen vor dem Hintergrund der kommunalen Wärmeplanung. Die Kooperation der drei Partner erlaubt eine umfassende Verzahnung von Theorie und Praxiswissen.

Die gemeinsame Veranstaltung von den Hamburger Energiewerken, den Hamburger Energienetzen und dem Zentrum für Energie-, Wasser und Umwelttechnik der Handwerkskammer (ZEWU) wird unterstützt von dem Energiebauzentrum der Handwerkskammer (EBZ), der Wasserstoff-Gesellschaft Hamburg und vom Elbcampus, dem Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Hamburg.



 

Weitere Ansprechpartner*innen

Hamburger Energienetz
Bernd Eilitz
Pressesprecher
Tel.: 040 2366 - 3757
E-Mail: presse@hamburger-energienetze.de

Hamburger Energiewerke
Bettina Schwarz
Pressesprecherin
Tel.: 040 6396 - 2733
E-Mail: presse@hamburger-energiewerke.de



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