Hamburger HandwerksindexHHX: Konjunkturbericht für das Handwerk in Hamburg Herbst 2026
Die aktuelle wirtschaftliche Lage des Hamburger Handwerks zeigt sich seit dem vergangenen Frühjahr weitgehend stabil. Dennoch sinkt der Hamburger Handwerks-Index HHX per Saldo weiter ab. Der Grund dafür liegt in den gegenwärtig überaus schlechten Geschäftserwartungen der Befragungsteilnehmer für die nächsten Monate.
Der Anteil der Hamburger Handwerksbetriebe, die aktuell eine gute Geschäftslage melden, ist leicht gestiegen und liegt jetzt bei 33 Prozent (Frühjahr 2026: 30 Prozent). In einer schlechten Situation befinden sich derzeit ca. 22 Prozent der Befragten, also merklich weniger als im Frühjahr (seinerzeit 28 Prozent). Im Vergleich zum vergangenen Herbst zeigt sich allerdings eine deutliche Verschlechterung, denn seinerzeit sahen noch 44 Prozent der befragten Betriebsinhaber ihre Unternehmen in einer guten Verfassung. Mit Blick auf die kommenden Monate erwartet weit mehr als die Hälfte der Betriebe (58 Prozent) eine unveränderte Lage. Allerdings sehen nur 16 Prozent eine Verbesserung, wogegen für 26 Prozent eine Eintrübung abzusehen ist. [1]
Kontinuierlicher Abwärtstrend des Geschäftsklimas im Hamburger Handwerk
Das Geschäftsklima im Hamburger Handwerk hat sich erneut verschlechtert. Der aktuelle Indexwert von 100 Punkten liegt nun exakt an der Schwelle, die rechnerisch den Übergang zu einer überwiegend negativen Konjunkturlage markiert. Ein vergleichbar schlechter Wert wurde zuletzt nach dem militärischen Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 verzeichnet (siehe Grafik).
Grund für das Absinken des Indexwerts ist in erster Linie eine zunehmend negative Grundstimmung angesichts anhaltender wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit. Dabei sind es offenbar nicht nur die hohen Kraftstoffpreise, die den Unternehmen derzeit zu schaffen machen. Es kommen nunmehr auch weitere wirtschaftliche Beeinträchtigungen hinzu. Hatten im Frühjahr auf eine Sonderfrage zu den Auswirkungen der Kriegshandlungen im Nahen Osten etwa 10 Prozent der befragten Hamburger Handwerksbetriebe über einsetzende Lieferschwierigkeiten berichtet, so sind es nunmehr bereits 23 Prozent.
Der Hamburger Handwerks-Index (HHX)
Der Hamburger Handwerks-Index (HHX) errechnet sich als geometrischer Mittelwert aus dem Saldo der Meldungen über eine aktuell gute und eine aktuell schlechte Geschäftslage sowie dem Saldo der Angaben über gute und schlechte Geschäftserwartungen. Damit entspricht er methodisch dem Geschäftsklima-Indikator, den der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) auf Bundesebene berechnet.
Die aktuelle Geschäftslage nach wirtschaftlichen Parametern
Beschäftigung: Beschäftigung: Die trotz schlechter Geschäftserwartungen weitgehend stabile wirtschaftliche Lage zeigt sich auch in der überwiegend unveränderten Beschäftigung. Aktuell melden gut drei Viertel der Hamburger Handwerksunternehmen, dass sich die Zahl ihrer Mitarbeiter im vergangenen Quartal nicht verändert hat. Der Anteil der Betriebe, die eine gesunkene Beschäftigung verzeichnen, ist auf 14 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet eine Rückkehr zum relativ geringen Wert des Vorjahres. Dagegen verringert sich allerdings erneut der Anteil der Betriebe, die zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt haben. Einschränkend muss daher also erneut festgehalten werden, dass der seit Jahren anhaltende Trend eines schleichenden Beschäftigungsrückgangs nicht gebrochen wird (siehe Grafik).
Umsatz: Weiterhin berichtet etwa die Hälfte der Handwerksbetriebe über gleichbleibende Umsätze (48 Prozent). Waren sie im Frühjahr bei etwa 11 Prozent der Betriebe gestiegen, so sind es nunmehr 17 Prozent. Damit ist in etwa der Wert vom Vergleichszeitraum des Vorjahres erreicht (seinerzeit 16 Prozent). Etwas höher als im vergangenen Jahr ist der Anteil derjenigen, die über Umsatzrückgänge klagen. Es sind nunmehr 35 Prozent gegenüber seinerzeit 32 Prozent. Dabei zeigt sich ein überdurchschnittlich hoher Rückgang der Umsätze im Kraftfahrzeuggewerbe. Das Bauhauptgewerbe dagegen ist geteilt. Hier melden aktuell 27 Prozent der Unternehmen steigende und demgegenüber 45 Prozent sinkende Umsätze.
Auftragsbestand: Der Auftragsbestand des Hamburger Handwerks zeigt im vergangenen Quartal eine rückläufige Tendenz. Zwar meldet nach wie vor etwa die Hälfte der befragten Betriebe (48 Prozent) einen stabilen Auftragsbestand, doch im Vergleich zu den vergangenen Befragungen hat sich der Anteil von Betrieben mit schrumpfenden Auftragsbeständen immer weiter erhöht, und zwar von 32 Prozent im vergangenen Herbst über 37 Prozent im vergangenen Frühjahr auf aktuell 40 Prozent. Dagegen steht ein immerhin stabiler Anteil von allerdings nur 13 Prozent der Handwerker, die einen Anstieg abzuarbeitender Aufträge verzeichnen.
Verkaufspreise: Die Verkaufspreise im Hamburger Handwerk steigen verhalten. 60 Prozent der befragten Hamburger Handwerksbetriebe haben ihre Preise in der jüngsten Vergangenheit nicht erhöht bzw. musste ein kleiner Teil von ihnen sie sogar senken. Hatte im vergangenen Frühjahr noch ein Anteil von 41 Prozent der befragten Unternehmen berichtet, die Verkaufspreise erhöht zu haben, so sind es jetzt nur noch 32 Prozent. Insbesondere im Bauhauptgewerbe sowie im Ausbaugewerbe und in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf war der Preisanstieg moderat. Anders stellt sich die Lage im Kraftfahrzeuggewerbe dar, wo über zwei Drittel der befragten Betriebe berichten, ihre Preise für Verkäufe und Leistungen im Berichtszeitraum angehoben zu haben.
Investitionen: Die weiterhin überwiegend geringe Investitionsbereitschaft der Hamburger Handwerksunternehmen gibt in kurzfristiger wie auch längerfristiger Betrachtung Anlass zur Sorge. Bis in das Jahr 2023 hinein deckte sich der Anteil der Betriebe mit gestiegenen Investitionen weitgehend mit dem Anteil derjenigen, bei denen die Anschaffungen von Maschinen oder anderer Betriebsausstattung zurückgingen. Seitdem hat sich jedoch ein regelmäßiger Überschuss derjenigen stabilisiert, deren Investitionen jeweils zurückgehen. Dieser negative Trend hat sich im vergangenen Jahr erneut verstärkt. Einem Anteil von 27 Prozent der befragten Betriebe, bei denen die Investitionen im Berichtszeitraum zurückgegangen sind, steht einem Anteil von nur 12 Prozent gegenüber, deren Anstrengungen sich verstärkt haben (siehe Grafik).
Geschäftserwartungen: Ausblick auf das vierte Quartal 2026
Deutlich mehr als die Hälfte der befragten Hamburger Handwerkerinnen und Handwerker (58 Prozent) rechnet im kommenden Quartal nicht mit einer Veränderung der wirtschaftlichen Lage ihres eigenen Unternehmens. Immerhin erwartet ein Anteil von 16 Prozent eine Verbesserung. Das ist in etwa der Wert, der auch im Herbst des Vorjahres festgestellt wurde. Gleichzeitig ist jedoch der Anteil derjenigen angestiegen, die eine Verschlechterung ihrer Geschäftstätigkeit erwarten. Lag er im vergangenen Herbst noch bei 20 Prozent, so steht er nunmehr auf 26 Prozent. Eine wirtschaftliche Belebung ist also nicht zu erkennen. Denkbar ist vielmehr eine deutliche Abschwächung der Konjunktur im Winterhalbjahr.
Beschäftigung: Die Beschäftigung wird auch in den kommenden Monaten weitgehend stabil bleiben, denn über 80 Prozent der befragten Handwerksunternehmer gehen von einer unveränderten Zahl ihrer Mitarbeiter aus. Allerdings ist im Vergleich zum Vorjahr der Anteil derjenigen angestiegen, die von einer sinkenden Beschäftigung ausgehen. Nunmehr erwarten 14 Prozent einen Rückgang, während es im vergangenen Herbst nur sechs Prozent waren. Eine Ausweitung der Beschäftigung planen derzeit nur nochvier Prozent der befragten Betriebe; im vergangenen Herbst waren es dagegen noch 7 Prozent.
Auftragsbestand: Ähnlich zeigt sich die Erwartung bezüglich der Auftragsbestände. Wie auch im vergangenen Herbst erwartet derzeit immerhin ein Fünftel der befragten Unternehmen ansteigende Auftragsbestände. Auf der anderen Seite ist jedoch der Anteil derjenigen gestiegen, die mit einem Absinken rechnen. Waren es im vergangenen Herbst noch 20, so sind es nunmehr 28 Prozent.
Preisentwicklung: Kunden des Hamburger Handwerks müssen in den kommenden Monaten mit einem verhaltenen, doch weiterhin spürbaren Preisanstieg rechnen. Hatten im Frühjahr etwa 35 Prozent der Betriebe angekündigt, ihre Verkaufspreise zu erhöhen, so sind es jetzt 31 Prozent. Insbesondere Produkte und Dienstleistungen der Kraftfahrzeugbranche könnten sich verteuern. Hier rechnet mehr als die Hälfte der befragten Betriebe mit Preisanstiegen. Wenig Spielraum für eine Anhebung der Verkaufspreise wird dagegen bei den Berufen der personenbezogenen Dienstleistungen gesehen. Hier spielen nur 12 Prozent der Betriebe mit dem Gedanken an Preiserhöhungen.
Entwicklungen in den einzelnen Handwerksbranchen
Die vorhandene Datengrundlage erlaubt nur eine vorsichtige Beurteilung branchenspezifischer Besonderheiten. Entsprechend sind die folgenden Aussagen lediglich als Meinungsbild Hamburger Handwerksbetriebe zu betrachten.