Hjalmar Stemmann-Praesident der Handwerkskammer Hamburg
Thomas Peters

02.06.2022Kammerpräsident warnt vor Konjunkturrisiken im Handwerk

Die Ergebnisse des Konjunkturberichts für das Hamburger Handwerk im ersten Quartal 2022 liegen vor. Handwerkskammerpräsident Hjalmar Stemmann weist in diesem Zusammenhang auf neue Risiken in Folge des Ukraine-Kriegs hin: Den Bau- und Ausbaugewerken etwa, die während der Pandemie als wirtschaftliche Stabilitätsgaranten galten, drohe nun selbst Instabilität



Hamburg, 2. Juni 2022 – Das Ergebnis der Konjunkturbefragung der Handwerkskammer Hamburg für die Monate Januar bis März 2022 zeichnet ein positives Stimmungsbild des Hamburger Handwerks über alle Gewerke hinweg – sowohl in Bezug auf die Geschäftslage als auch mit Blick auf die Erwartungen für das Sommerquartal. Selbst angesichts der bereits im zurückliegenden Befragungszeitraum sich abzeichnenden Zuspitzung der Materialbeschaffungs- und Preisproblematik geht das gesamte Handwerk per Saldo mehrheitlich von einer positiven Entwicklung aus: 43 Prozent der Handwerksmeister*innen stufen ihre geschäftliche Situation als „gut“, weitere 45 Prozent als „befriedigend“ ein. Eine schlechte Geschäftslage beklagen 12 Prozent (Herbst 2021: 15 Prozent), 33 Prozent erwarten eine Aufhellung und 55 Prozent keine Veränderung.

Der Präsident der Handwerkskammer Hamburg, Hjalmar Stemmann, ordnet ein: „Die abklingende Corona-Krise sorgte im Frühjahr im Handwerk für einen gesunden Optimismus. Mittlerweile jedoch schaukelt sich die Logistik- und Lieferproblematik mitsamt ihren Beschaffungs- und Preisverwerfungen bei Energie und Material in Folge des fortschreitenden Ukraine-Kriegs und des China-Lockdown weiter hoch. Hinzu kommt der extrem hohe Fachkräftebedarf. Ich sorge mich, dass etwa die Bau- und Ausbaubranche, die schließlich während der Pandemie zu den wesentlichen Konjunktur-Stabilisatoren zählte, nun selbst von Instabilität bedroht ist. Das ist riskant für das Hamburger Handwerk und für die ganze Stadt.“

Der jüngste Konjunkturbericht des Hamburger Handwerks für das 1. Quartal 2022 im Einzelnen:

Im Bauhauptgewerbe (Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Straßenbau und Gerüstbau) zeigt sich eine im Vergleich zu Herbst 2021 deutlich abgekühlte Stimmung: 54 Prozent der befragten Bauhandwerksmeister*innen bewerten die geschäftliche Entwicklung mit „gut“, im Herbst 2021 waren es noch 62 Prozent gewesen.

Im Ausbaugewerbe (Ofen-und Luftheizungsbau, Maler und Lackierer, Installateure und Heizungsbauer, Klempner, Elektrotechniker, Tischler, Stuckateure, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Glaser, Raumausstatter und Rollladen- und Sonnenschutztechniker) verschlechterte sich die Lage: 52 Prozent bewerten die wirtschaftliche Lage als „gut“ (Herbst 2021: 64 Prozent), 36 Prozent als „befriedigend“ und 12 Prozent als „schlecht“.

Im Handwerk für den gewerblichen Bedarf (Metallbauer, Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbau, Kälteanlagenbau, Schilder-und Lichtreklamehersteller, Informationstechniker; Gebäudereiniger, Landmaschinenmechaniker und Modellbauer) beurteilen 30 Prozent der Befragten die Lage als „gut“ (Herbst 2021: 50 Prozent), 55 Prozent sehen die Entwicklung der Geschäftslage als eher gleichbleibend an und nur noch 15 Prozent nehmen Verschlechterungen wahr (Herbst 2021: 33 Prozent).

Das Kfz-Gewerbe (Karosserie- und Fahrzeugbau sowie Kraftfahrzeugtechnik) nimmt die Geschäftslage im 1. Quartal positiv wahr: 20 Prozent beurteilten sie als „gut“, ganze 80 Prozent gaben eine gleichbleibende Wirtschaftslage an.

Im Lebensmittelgewerbe (Bäcker, Konditoren und Fleischer) verzeichnen 29 Prozent der Betriebe eine gute und nur noch 14 Prozent eine eher schlechte wirtschaftliche Lage, denen jedoch eine Gruppe von 57 Prozent gegenübersteht, die eine zufriedenstellende Entwicklung angibt.

Im Gesundheitsgewerbe (Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädietechniker und Orthopädieschuhmacher) bewerten 40 Prozent ihre Lage als gut (Herbst 2021: 83 Prozent) und 60 Prozent als zufriedenstellend.

Die Konjunkturlage im personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe (Kosmetiker, Friseure, Uhrmacher, Maßschneider, Schuhmacher, Fotografen, Textilreiniger) erholte sich relativ gut. Nur noch 23 Prozent (Vorbefragung 33 Prozent) der Betriebe leiden unter einer schlechten wirtschaftlichen Entwicklung; 27 Prozent beurteilen ihre Situation positiv und 50 Prozent als gleichbleibend.

Im Konjunkturbericht für das 1. Quartal 2022 lesen Sie außerdem:

  • Entwicklung von Beschäftigten, Umsatz, Verkaufspreisen und Investitionen
  • Einschätzung von Geschäftslage, Beschäftigtenzahl, Umsatz, Verkaufspreisen und Investitionen für das nächste Quartal
  • offene Antworten in Bezug auf die Corona-Krise und den Ukraine-Krieg

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer wurde im Zeitraum vom 15. bis zum 31. März online erhoben. Von 300 befragten Handwerksmeister*innen haben 148 geantwortet.