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Konjunkturumfrage: Krise drückt auf die Stimmung

Die einzelnen Handwerksbranchen beurteilen die Situation im ersten Quartal 2021 unterschiedlich. Schwierige Rahmenbedingungen belasten viele Betriebe. Die Zukunftsprognosen sind verhalten optimistisch

Hamburg, 29. April 2021 – Das Hamburger Handwerk ist in passabler wirtschaftlicher Verfassung, wenngleich in Teilbereichen des Handwerks der Konjunkturmotor schlechter läuft als im vorangegangen Winterhalbjahr. Dieses Stimmungsbild vermittelt eine Online-Befragung der Handwerkskammer Hamburg unter ihren Mitglieder*innen.
Die einzelnen Handwerksbranchen sind von der Pandemie höchst unterschiedlich betroffen: Etwa die Hälfte der Betriebe beklagt sinkende Umsätze. Vergleichsweise dramatisch ist die Lage bei Kosmetiker*innen und Friseur*innen, in der Textilreinigungsbranche sowie im Kfz-Gewerbe.

Ihre geschäftliche Entwicklung im ersten Quartal als „gut“ bezeichnete immerhin ein Drittel der Betriebe. Jedoch sank die Zahl der Handwerker*innen, die sich als „zufrieden“ bezeichnen mit 71 Prozent deutlich unter den Herbstwert: Da waren es noch 88 Prozent. Die Krise drückt zunehmend auf die Stimmung.

Im Einzelnen:

Konjunkturabkühlung im Bauhauptgewerbe

Bei Maurern und Betonbauerinnen, Zimmerern und Dachdeckerinnen, Straßen- und Gerüstbauern kühlt sich die Stimmung von einem hohen Niveau kommend ab: Nur noch 35 Prozent der Bauhandwerksmeister und -meisterinnen bewerten die geschäftliche Entwicklung am Ende des ersten Quartals 2021 mit „gut“, im Herbst waren es noch 70 Prozent. Der Blick in die Zukunft ist optimistischer: 53 Prozent erwarten Zuwächse, nur 6 Prozent rechnen mit einem Abschwung.

Lage im Ausbauhandwerk recht gut, Prognose gedämpft

46 Prozent der befragten Ofen-und Luftheizungsbauer, Maler- und Lackiererinnen, Installateure und Heizungsbauer, Klempnerinnen, Elektrotechniker, Tischlerinnen, Stuckateure, Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerinnen, Glaser, Raumausstatter sowie Rollladen- und Sonnenschutztechnikerinnen bewerten die Lage im ersten Quartal 2021 positiv. Die Zukunftsprognose fällt gedämpfter aus: Lediglich 16 Prozent erwarten eine weitere Belebung ihrer Geschäfte.

Angespannte Situation im Handwerk für den gewerblichen Bedarf

Metallbauerinnen, Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer, Kälteanlagenbauerinnen, Schilder-und Lichtreklamehersteller, Informationstechniker, Gebäudereiniger, Landmaschinenmechanikerinnen und Modellbauer beurteilen ihre Lage angespannter als im Herbst: Nur noch 27 Prozent bezeichnen sie als „gut“; im Herbst waren es noch 37 Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten rechnet künftig mit einer unveränderten Geschäftslage.

KfZ-Gewerbe ist verhalten und blickt skeptisch in die Zukunft

Karosserie- und Fahrzeugbauer sowie Kraftfahrzeugtechnikerinnen äußern sich verhalten: 66 Prozent sind positiv gestimmt, 33 Prozent berichten von negativen Entwicklungen. Der Blick in die nahe Zukunft ist eher skeptisch: 67 Prozent der Befragten gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung im nächsten Quartal aus, 22 Prozent rechnen mit einem negativen Geschäftsverlauf.

Stabile Konjunktur im Lebensmittelhandwerk

Bäcker, Konditorinnen und Fleischer befinden sich weiterhin in stabilem Konjunkturfahrwasser. Die Stimmungslage ist gut; nur 22 Prozent der Befragten melden eine eher schlechte wirtschaftliche Situation. Der größte Teil (78 Prozent) rechnet in Zukunft mit einer gleichbleibenden Entwicklung.

Lage im Gesundheitshandwerk etwas schlechter

Augenoptikerinnen, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädietechniker und Orthopädieschuhmacherinnen beurteilen ihre wirtschaftliche Lage im ersten Quartal 2021 als insgesamt etwas schlechter: 43 Prozent sagen „gut“, 29 Prozent „zufriedenstellend“. Im Herbst waren es noch 56 bzw. 44 Prozent. Die Zukunftsaussichten werden sich 44 Prozent der befragten Handwerksbetriebe zufolge verbessern. 22 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.

Personenbezogenes Dienstleistungsgewerbe klagt

Für Kosmetikerinnen, Friseure, Uhrmacher, Maßschneider, Schuhmacherinnen, Fotografen und Textilreiniger ist die Lage insgesamt schwierig. Ihre Betriebe waren teilweise direkt vom Lockdown bzw. vom Wegfall wichtiger Kundengruppen, etwa im Gastronomie- oder Veranstaltungsbereich, betroffen. Rund zwei Drittel der Betriebe leiden gegenwärtig unter einer schlechten wirtschaftlichen Entwicklung. Aber: 81 Prozent der befragten Betriebe blicken positiv in die Zukunft; sie erwarten verbesserte oder zumindest gleichbleibende Geschäfte.

Wie wirkten sich die Corona-Maßnahmen im ersten Quartal 2021 aus?

Von den staatlich verordneten Maßnahmen direkt betroffen waren 55 Prozent der Befragten. 48 Prozent berichten von Auftragsrückgängen und 46 Prozent von Schwierigkeiten mit ihren Lieferanten. Die Umstellung von betrieblichen Prozessen empfanden 36 Prozent als schwierig. Ein Drittel der befragten Betriebe spürte direkte Auswirkungen, weil es zu Ausfällen und Einschränkungen in der Belegschaft kam. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten findet die Corona-Maßnahmen angemessen. Ein Drittel urteilt „überzogen“ und 24 Prozent sind der Meinung, dass diese zu spät kamen.

Der Präsident der Handwerkskammer, Hjalmar Stemmann, ordnet ein: „Das Handwerk ist mit Ausnahme der durch den Lockdown gebeutelten personenbezogenen Gewerke noch recht gut aufgestellt. Unsere Betriebe zeigen sich bis zum einem gewissen Grad optimistisch; die Stimmung trübt sich aber zunehmend ein. Alles, was das Pflänzchen Aufschwung nährt, muss jetzt weiter konsequent vorangetrieben werden –  das bedeutet vor allem: impfen, impfen, impfen. Und einen schnell anerkannten Impf- und Testausweis. Damit wir bald wieder einem sicheren und produktiven Tagesgeschäft nachgehen können.“

Die Online-Befragung wurde in der zweiten Märzhälfte (15. bis 31.03.2021) durchgeführt. Von 300 befragten Betrieben haben 170 geantwortet.