Handwerkskammer Hamburg 19.03.2026Resolution: Für eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele

Hamburg bewirbt sich vorbehaltlich einer Bürgerbefragung gemeinsam mit Schleswig-Holstein um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. 

Das Konzept „HAMBURG+“ setzt auf ein „Olympiaerlebnis der kurzen Wege“, bei dem der Schwerpunkt auf vorhandene und temporäre Sportstätten gelegt wird. Ein Hamburger Referendum ist für den Zeitraum vom 24. April bis zum 31. Mai 2026 vorgesehen, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird sodann im Herbst 2026 über die endgültige Auswahl des deutschen Standorts der internationalen Bewerbung entscheiden.

Bereits die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele, aber erst recht deren Ausrichtung wäre für Hamburg standortpolitisch und praktisch von großer Bedeutung– sowohl im Hinblick auf die damit verbundenen erheblichen wirtschaftlich-strukturellen Chancen als auch hinsichtlich der sich daraus ergeben den Herausforderungen. Hierzu hat die Vollversammlung der Handwerkskammer Hamburg in ihrer Sitzung am 18. März 2026 folgende Resolution verabschiedet:

A. Bewertung: Chancen und Herausforderungen einer Hamburger Olympia-Bewerbung

  1. Chance: Ein Schub für den Standort Hamburg

    Die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele würde die nationale und internationale Sichtbarkeit und Attraktivität Hamburgs steigern. Dies hätte mittel- und langfristig wirtschaftlich belebende Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort. Ein Mehr an Investitionen, neue Unternehmensansiedlungen, mehr internationale Gäste und Events– all das erzeugt auch geschäftliche Chancen für das Hamburger Handwerk, unmittelbar durch öffentliche und private Aufträge, mittelbar durch eine Stärkung insbesondere der B2B-Kunden der Handwerksbetriebe. Darüber hinaus hat die Beteiligung an einem solchen Großereignis das Potenzial, das Gemeinschaftsgefühl und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Das wäre gesellschaftspolitisch von hohem Wert und könnte positiv in die Belegschaften des Handwerks hineinwirken.

  2. Chance: Aufträge und Beschäftigung
    Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris ist es gelungen, 90 % derAufträge an französische Unternehmen zu geben, und insgesamt 80 % des Auftragsvolumens in die Hände kleiner und mittlerer Betriebe zu legen. Aus Sicht der Betriebe bietet eine Hamburger Olympiabewerbung insofern bei richtiger Organisation und Regelsetzung die Chance auf erhebliche Auftragsvergaben, insbesondere im Bau- und Ausbaubereich durch die im Rahmen der Vorbereitung notwendigen und geplanten Infrastrukturmaßnahmen. Unternehmen können dabei von projektspezifi schen Vergabeplattformen profitieren. Zugleich ergeben sich durch dieselben Maßnahmen im Rahmen einer Olympia-Umsetzung zusätzliche Arbeitsplatzpotenziale mit guten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten während der Bau- und Veranstaltungsphase. Das deckt sich mit den Nachhaltigkeitskriterien des Bewerbungskonzepts

  3. Chance: Infrastruktur und Stadtentwicklung
    Ferner kann eine Bewerbung um und Durchführung von Spielen Belebungsimpulse für die Stadtentwicklung und Infrastruktur setzen, was mittelbar auch das Handwerk nachhaltig stärken würde. Dies betrifft etwa die Ermöglichung oder Beschleunigung notwendiger Projekte in der lokalen und regionalen Verkehrsinfrastruktur (nicht zuletzt des Bundes), im Baubereich insgesamt sowie bei der Ertüchtigung von Sportstätten.

  4. Herausforderung: Wirtschaftliche Risiken der öffentlichen Hand
    Die Ausrichtung Olympischer Spiele ist komplex und kostenintensiv. Es ist insofern ein hochprofessionelles Projektmanagement erforderlich, das eine vermeidbare Belastung der Steuerzahlenden– auch im Hamburger Handwerk– ausschließt. Vorbild kann insofern Paris sein, wo es 2024 gelungen ist, Spiele mit einer auch wirtschaftlich positiven Bilanz zu realisieren.

  5. Herausforderung: Mögliche Verkehrs- und Betriebseinschränkungen
    Einerseits könnten sowohl für Betriebe als auch für Beschäftigte Einschränkungen und Belastungen insbesondere durch Bauarbeiten und Verkehrsmaßnahmen entstehen. Andererseits würden notwendige Investitionen in die Infrastruktur idealerweise nicht nur vorgezogen, sondern müssten rechtzeitig vor den Spielen auch abgeschlossen sein– mittel- und langfristig hätte dies positive Auswirkungen auch auf Infrastrukturnutzer aus dem Handwerk. In der Vorbereitungsphase würde es eine Weiterentwicklung des bestehenden Baustellenmanagements erfordern, um diese Risiken sinnvoll zu beherrschen und konjunkturwirksame Zusatzbelastungen insbesondere des Wirtschaftsverkehrs auszuschließen. In der Umsetzungsphase selbst rechnen die Hamburger Olympia-Planer aufgrund der erwarteten Ersetzung üblicher Touristenströme durch Olympia-Tourismus mit einem im Ergebnis üblichen Gästeaufkommen, sodass die Infrastruktur der Stadt insofern nicht an Grenzen stoßen sollte.

  6. Herausforderung: Verschärfung von Flächenkonflikten
    Flächen sind knapp in der verdichteten Metropole Hamburg. Das Handwerk ist seit Langem Flächenkonkurrenzen ausgesetzt, gerade im Quartierskontext sowie in zentrennahen Lagen. Besonderes Augenmerk verdient insofern die Frage, ob diese Flächenkonflikte durch die Ausrichtung Olympischer Spiele verschärft würden. Zu beachten ist hierbei, dass rund 80 % der notwendigen Sportstätten bereits vorhanden sind, dies ist eine Grundidee des Konzepts. Weitere rund 20 % werden zur temporären Olympia-Nutzung erbaut. Gleiches gilt für das Olympische Dorf. Dies dämpft den Flächenanspruch der Spiele. Insbesondere bei der Frage nach der Nachnutzung von Olympia-Einrichtungen ist aber zu fragen, welche zusätzlichen Chancen es für Gewerbe undAzubi-Wohnen geben kann.


B. Position des Hamburger Handwerks

Die Chancen einer Olympiabewerbung für Stadt, Wirtschaftsstandort und Handwerk überwiegen deutlich. Das Hamburger Handwerk unterstützt deshalb die neuerliche Bewerbung Hamburgs um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele

Die Handwerkskammer wird sich daran beteiligen, im Rahmen der Begleitung des Referendums für eine Bewerbung Hamburgs einzutreten. Bei positivem Ausgang des Referendums wird die Handwerkskammer sich dafür einsetzen, Olympia in Zusammenarbeit mit den tragenden Akteuren in Stadt und Wirtschaft zu einem Erfolg zu machen, und die darin liegenden Chancen im Sinne der Betriebe und Arbeitnehmer zu verwirklichen.

Diese Haltung und dieses Engagement verbindet das Hamburger Handwerk mit folgenden Erwartungen:

  • Aufträge und Beschäftigung sichern: Bei der Vergabe vonAufträgen im Rahmen der Vorbereitung, Umsetzung undAusrichtung der Spiele sind nach dem Vorbild der Spiele in Paris geeignete Rahmen bedingungen dafür zu schaffen, dass ein möglichst hoher Anteil des Auftragsvolumens kleinen und mittleren Unternehmen u.a. des Hamburger Handwerks zugutekommt. Dies sollte nicht zuletzt Beratungs- und Unterstützungsangebote für Einzelbieter sowie für die Bildung von Bieterkonsortien umfassen. Ferner sollte es im Sinne der Auftragstransparenz wie bei den Sommerspielen 2012 in London eine für alle Aufträge (öffentliche und private Aufträge) verbindlich zu nutzende Auftragsplattformgeben.
  • Infrastrukturmaßnahmen steuern: Das städtische Baustellenmanagement muss auf die Großaufgabe der Koordination zusätzlicher Olympia-Baumaßnahmen im öffentlichen (Straßen-)Raum sowie das Bedürfnis einer insbesondere in den Jahren vor dem Termin der Spiele beschleunigte Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen eingestellt werden. Es ist fraglich, ob dies mit der heutigen Methodik und Kapazität zu leisten ist. Ferner muss bei Bauträgern, die nicht unter dem direkten Einfluss der Hamburger Politik agieren, der Bund dazu beitragen, für Verbindlichkeit und optimale Kooperation bei der Baustellenkoordination zu sorgen.
  • Flächenchancen nutzen: Es sind Wege dafür zu finden, dass bei der Nachnutzung neu geschaffener Olympia-Infrastruktur auch gewerbliche Nutzungen inkl. Handwerk sowie Azubi-Wohnen eine wesentliche Rolle spielen.
  • Olympia gemeinsam ins Ziel bringen: Das Hamburger Handwerk ist bereit, seinen Beitrag zum Gelingen einer Hamburger Olympiabewerbung zu leisten. Wichtig ist dabei, dass es gehört und beteiligtwird. Senat und Olympia-Akteure der Stadt sind deshalb aufgerufen, das Handwerk bei der Vorbereitung und Umsetzung Olympischer und Paralympischer Spiele in Hamburg aktiv einzubinden.
 

Jörg Ungerer

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