12.08.2026Nachfolge: Goldschmiedin übernimmt ihren Ausbildungsbetrieb
Wirtschaftsbehörde und Handwerkskammer möchten mehr Handwerkerinnen für Betriebsübernahmen gewinnen – Christiane Rüpings Nachfolgegeschichte hat Vorbildcharakter
Hamburg, 12. August 2026 – Christiane Rüping hat den Betrieb übernommen, in dem sie einst zur Goldschmiedin ausgebildet wurde. Im Vergleich zur Neugründung sind Betriebsübernahmen ein oftmals unterschätzter Weg in die Selbstständigkeit. Rüpings Geschichte zeigt, welches Potenzial in Nachfolgen liegt. Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard besuchte gemeinsam mit Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, die Goldschmiede Laatzen in Hamburg-Rissen.
Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Innovation: „Wer einen Betrieb übernimmt, fängt nicht bei null an, sondern baut auf Erfahrung, Kunden und oft auf einer langen Geschichte auf. Traditionen fortführen und eigene Schwerpunkte im eigenen Betrieb setzen – das kann sogar attraktiver sein als eine Neugründung. Angesichts vieler anstehender Generationswechsel im Handwerk brauchen wir mehr Menschen, die diesen Schritt wagen – und gerade auch mehr Frauen. Denn eine gelungene Nachfolge bewahrt nicht nur Tradition, sie schafft Zukunft.“
Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg: „Das Hamburger Handwerk bietet großartige Chancen für alle, die einen Betrieb übernehmen wollen – und Frauen bringen dafür oft besondere Stärken mit. Unser Nachfolge-Team begleitet vom ersten Gespräch bis zur abgeschlossenen Übergabe. Viele gründungsbereite Frauen denken zunächst ausschließlich an eine Neugründung oder ein Start-up. In unserer Beratungspraxis schauen wir gemeinsam mit den Handwerkerinnen, welche Form der Gründung am sinnvollsten ist. Betriebsübernahmen spielen eine oftmals unterschätzte Rolle.“
Christiane Rüping, Nachfolgerin Goldschmiede Laatzen: „Ich habe bei der Familie Laatzen mein Handwerk gelernt und wollte, dass dieses Wissen erhalten bleibt. Die Übernahme war kein leichter Schritt, aber genau der richtige. Für meinen Vorgänger Herrmann Laatzen und mich war klar: Eine gute Übergabe braucht Zeit und vor allem ehrliche Kommunikation. Die Begleitung durch die Handwerkskammer war dabei ein echter Glücksfall. Mein Rat an alle Handwerkerinnen, die sich mit dem Gedanken an eine Nachfolge tragen: Habt Mut. Die Chancen, dass es gelingt, stehen sehr gut. Und: Wendet euch an die Kammer.“
Mit der Übernahme ihres ehemaligen Ausbildungsbetriebs sichert sich Christiane Rüping eine selbstständige berufliche Perspektive als Goldschmiedin und führt einen mehr als 90 Jahre alten Handwerksbetrieb in die Zukunft. Nach ihrer Ausbildung bei der Familie Laatzen trat sie vor gut einem Jahr die Nachfolge von Herrmann Laatzen an. Laatzen Juwelier und Goldschmiede in Hamburg-Rissen, gegründet 1933, ist eine der ältesten Handwerkswerkstätten im Hamburger Westen. Seit 2025 ist das Gold- und Silberschmiedehandwerk im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes verzeichnet. Das Verzeichnis wird im Rahmen des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes geführt.
Eine Nachfolgelotsin der Handwerkskammer begleitete und unterstützte die Goldschmiedin im gesamten Übernahmeprozess – von der Nachfolgeplanung über den Businessplan bis hin zum Finanzierungskonzept. Dieses überzeugte schließlich auch die kreditgebende Bank vom Potenzial der Übernahme: Am 8. Mai 2025 ging es für Christiane Rüping im eigenen Geschäft los.
Mit ihrem Besuch schärfen Wirtschaftssenatorin Dr. Melanie Leonhard und Handwerkskammerpräsident Hjalmar Stemmann den Blick für eine wirtschaftspolitische Herausforderung: Rund 5.000 Hamburger Betriebsinhaber und Betriebsinhaberinnen im Handwerk haben das Alter von 57 Jahren erreicht oder überschritten. Damit steht in rund einem Drittel der Hamburger Handwerksbetriebe kurz- bis mittelfristig eine Nachfolgeentscheidung an. Da Übergaben innerhalb der Familie rückläufig sind, gewinnen Nachfolgeregelungen aus dem eigenen Team oder von außerhalb an Bedeutung.
Seit 2021 begleiten die Nachfolgelotsen der Handwerkskammer Hamburg Übernehmer und Übergeber in diesem oftmals herausfordernden Prozess – kostenlos, neutral und praxisnah. Mehr als 50 Nachfolgeregelungen wurden seither erfolgreich vermittelt und rund 300 Beratungsanliegen jährlich begleitet.
Den Anteil von Frauen bei Unternehmensnachfolgen im Handwerk deutlich zu steigern, ist ein gemeinsames Ziel von Wirtschaftsbehörde und Handwerkskammer. Die Kammer engagiert sich mit einem zielgerichteten Beratungsangebot als Sparringspartnerin im gesamten Nachfolgeprozess.