HWK Hamburg

11.05.2026Handwerk fordert mehr Reformtempo und klare politische Signale

Die Hauptgeschäftsführer der deutschen Handwerkskammern üben bei ihrer Frühjahrstagung in Hamburg deutliche Kritik an der Bundespolitik. Weitere Themen bei der DHKT-Konferenz am 11. /12. Mai sind die berufliche Bildung, Fachkräftesicherung und Digitalisierung im Handwerk

Hamburg, 11. Mai 2026 – Ein Jahr nach Amtsantritt der schwarz-roten Bundesregierung ist die Zuversicht im Handwerk ernüchterter Realität gewichen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Hauptgeschäftsführerkonferenz des Deutschen Handwerkskammertages (DHKT) in der Handwerkskammer Hamburg bemängeln fehlende Reformimpulse, ausbleibende Entlastungen und unverändert hohe Belastungen für die Betriebe wie auch ihre Beschäftigten.

Bundesweit ist die Lage angespannt: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht die Konjunkturwende im Handwerk weiter vertagt und warnt vor wachsenden Risiken für den handwerklichen Mittelstand. Auch im Hamburger Handwerk blieb die Frühjahrsbelebung aus, die Stimmung hat sich weiter eingetrübt. Umso deutlicher fordern die Kammern jetzt klare politische Signale, mehr Reformtempo und spürbare Entlastungen, insbesondere bei Bürokratie, Energie- und Mobilitätskosten sowie durch verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen, Fachkräftesicherung, berufliche Bildung und die digitale Transformation im Handwerk.

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke erklärte: „Das Handwerk steht zunehmend unter konjunkturellem und strukturellem Druck: schwache Nachfrage, sinkende Auftragsbestände und rückläufige Beschäftigung gefährden Stabilität und Binnenwirtschaft. Die aktuelle Entwicklung ist kein kurzfristiges Stimmungsproblem, sondern vor allem Ausdruck ausbleibender Reformen und fehlender verlässlicher wirtschaftspolitischer Perspektiven. Ohne ein konsequentes Reformpaket mit Bürokratieabbau, steuerlicher Entlastung, geringeren Sozialabgaben und verlässlichen Energiepreisen droht eine weitere Erosion der Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig müssen Investitionsanreize gesetzt und Arbeit durch flexiblere Rahmenbedingungen sowie mehr Flexibilität etwa bei den Arbeitszeiten wieder attraktiver gemacht werden. Entscheidend ist jetzt, dass die Politik schnell und nachhaltig handelt.“

Christoph Herting, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hamburg appellierte an den Hamburger Senat: „Unsere 15.000 Betriebe in dieser Stadt sind leistungsfähig, aber sie stoßen zunehmend an Grenzen. Das betrifft die Rahmenbedingungen und den Bedarf nach mutigen Reformen auf Bundesebene. Aber auch in Hamburg selbst stehen wir mit Blick auf das urbane Handwerk vor großen Herausforderungen – bei Gewerbeflächen, beim Parken und beim Wohnraum für Auszubildende und Fachkräfte von außerhalb. Die dicken Bretter gehen uns nicht aus. Durchgebohrt bekommen wir sie nur mit vereinten Kräften, gemeinsam mit der Hamburger Politik.“

Ein zentraler Tagesordnungspunkt der Konferenz ist die Berufsbildungspolitik. Diskutiert werden unter anderem innovative Bildungsangebote, die Verlängerung der Allianz für Aus- und Weiterbildung, das Konzept eines freiwilligen Handwerksjahres sowie die bessere Validierung beruflicher Kompetenzen. Darüber hinaus befasst sich die Konferenz mit notwendigen Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und zur Digitalisierung im Handwerk.

Die Hauptgeschäftsführer der deutschen Handwerkskammern machen in Hamburg deutlich, dass das Handwerk bereit ist, seinen Beitrag zu Wachstum, Ausbildung, Energiewende und Versorgungssicherheit zu leisten. Dafür sind jedoch politische Entscheidungen notwendig, die Betriebe wirksam entlasten, Investitionen erleichtern und unternehmerische Perspektiven stärken. Die Erwartungen an Bund und Länder sind unmissverständlich: weniger Regulierung, stärkere Investitionsanreize, entschlossenes Reformtempo.

 

Handwerkskammer Hamburg



 

Zentralverband des Deutschen Handwerks

Beate Preuschoff
Pressesprecherin
Tel.
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Links zum Thema

DHKT Interessenvereinigung: politische Stimme im Bund