Jahresschlussversammlung der Handwerkskammer Hamburg 2023: Blick in den Großen Saal.
HWK Hamburg | Fuchsberger

18.12.2023Handwerkskammerpräsident fordert: „Alles tun, was geht!“

Bei der Jahresschlussversammlung der Handwerkskammer mahnte Präsident Hjalmar Stemmann eine am handwerklichen Mittelstand orientierte Realpolitik an: weniger Bürokratie, deutliche Senkung der Grunderwerbssteuer zugunsten der Bauwirtschaft, schnell mehr Wohnraum für Auszubildende, mehr Personal an den Schaltstellen der Einwanderung sowie Handwerkerparkausweise

Hamburg, 18. Dezember 2023 – Einmal jährlich zum Jahresende treffen sich Hamburgs Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur traditionellen Jahresschlussversammlung der Handwerkskammer Hamburg im Großen Saal des Gewerbehauses am Holstenwall. In diesem Jahr legte Handwerkskammerpräsident Hjalmar Stemmann den Fokus seiner Rede auf die Notwendigkeit einer mittelstandsorientierten Realpolitik. Ohne einen stabilen Mittelstand werde die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft nicht gelingen. 

Gerade in herausfordernden, strukturell wie finanziell instabilen Krisenzeiten dürfe man sich nicht wegducken, sondern müsse sich tagtäglich aufs Neue dem tatsächlich Machbaren stellen, um dieses dann noch beherzter als je zuvor umzusetzen: „Alles tun, was geht!“, forderte Stemmann die Politik vor den rund 220 geladenen Gästen auf. Was Hamburg brauche, sei „Mut, Resilienz und harte Arbeit“ – Eigenschaften, die insbesondere im Handwerk sehr ausgeprägt seien. Mit anschaulichen Antworten auf die rhetorische Frage „Was, wenn Deutschland, wenn Hamburg ein Handwerksbetrieb wäre?“, legte er den anwesenden Gästen aus Politik und Verwaltung ans Herz, sich etwas vom Denken und Handeln in unternehmerischer Verantwortung stehender Handwerkerinnen und Handwerker abzuschauen und etwa zur Einsicht zu gelangen, „dass ohne Halt im Heute Pläne für Morgen nicht umsetzbar sind.“

Handwerkskammerpäsident Stemmann machte deutlich:

Welchen Halt Hamburg braucht: handlungsfähige Unternehmer, mehr Auszubildende sowie Fach- und Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland, gute Rahmenbedingungen für die Bau- und Ausbauwirtschaft, einen fließenden Wirtschaftsverkehr, um nur einige Beispiele zu nennen.

Was Hamburg jetzt sofort dafür tun kann: Zum Beispiel bürokratische Hürden senken, schnell bezahlbaren Wohnraum und mehr Kapazitäten in Azubi-Wohnheimen sowie für zugewanderte Fach- und Arbeitskräfte schaffen, für ausreichend Personal an den Schaltstellen der Einwanderung in den Ausländerbehörden sorgen, um Einwanderung schneller realisieren zu können, die Grunderwerbssteuer senken, was helfen würde, die Investitionsbereitschaft öffentlicher wie privater Bauherren zu steigern, und letztlich mit der Einführung von Handwerkerparkausweisen endlich dem Park-Bürokratismus ein Ende machen.  

Wie das Hamburger Handwerk „Wirklichkeit macht“: Es installiert Solarpanels und Wärmepumpen und setzt Maßnahmen zur Anpassung an Klimafolgen um. Zahlreiche Handwerksbetriebe sparen Energie in ihren Betriebsstätten und gestalten ihre Produktion klimaschonender. Etliche Handwerker elektrifizieren ihre Fuhrparks und steigen immer häufiger, wenn möglich, auch aufs Lastenrad um. Handwerk bildet junge Menschen aus und bringt Fachkräfte aus dem Ausland in sichere Arbeitsverhältnisse; es qualifiziert und integriert wie kaum eine andere Branche. 

Handwerkskammerpräsident Stemmann: „Das Handwerk tut alles, was geht. Das fordern wir auch von der Politik ein. In ihrem eigenen Interesse übrigens, weil es ohne eine mittelstandsfreundliche Standortpolitik im Heute kein sicheres Fundament für den Umbau von Morgen geben wird. Ein handlungsfähiges, freies Unternehmertum ist eine unabdingbare Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung, ohne den wiederum die Transformation schlichtweg nicht zu bezahlen sein wird.“

Im Rückblick auf 2023 zieht der Kammerpräsident für das Hamburger Handwerk ein kritisches Resümee: Während noch im Herbst die Geschäftslage weitgehend gut war, wenngleich auch den Handwerksbetrieben hohe Zinsen, hohe Energiekosten und die gestiegene Inflation zusetzten, trüben sich die Konjunktur- und Geschäftserwartungen seitdem weiter ein. Es ist davon auszugehen, dass sich im Zuge der aktuellen Turbulenzen im Bundeshaushalt vor allem die Investitionsbereitschaft mittlerweile weiter verringert hat und kommende Geschäftsprognosen noch negativer ausfallen dürften.

Aber es gibt durchaus auch gute Nachrichten: Für junge Menschen wird ein Handwerksberuf nach schwierigen Pandemiejahren wieder attraktiver: 2.379 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge bis Ende November sind 8,3 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Hamburg liegt damit deutlich über dem Bundesplus von gerade einmal 1,4 Prozent. Das Plus bei den Neuverträgen weiblicher Auszubildender lag Ende November bei nahezu 10 Prozent. 

Außerdem trägt die Handwerkskammer immer stärker zur Gewinnung und Integration von Zuwanderern ins Handwerk bei. Von den 175 Bescheiden zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen gingen 2023 bereits mehr als 50 direkt ins Ausland, überwiegend in den Iran, nach Marokko, Albanien und in die Türkei. Was inzwischen durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz möglich ist.