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Hamburger HandwerksindexHHX: Konjunkturbericht für das Handwerk in Hamburg Frühjahr 2026

Die wirtschaftliche Lage des Hamburger Handwerks hat sich gegenüber dem vergangenen Herbst weiter verschlechtert. Dies zeigt das erneute Absinken des Hamburger Handwerks-Index HHX: Erstmals seit vier Jahren ist keine Frühjahrsbelebung messbar. Vielmehr verstetigt sich ein negativer Trend, der nun bereits gut zwei Jahre anhält.

Der Anteil der Betriebe, die eine gute Geschäftslage melden, liegt aktuell bei nur noch 30 Prozent (Herbst 2025: 44 Prozent). In einer schlechten Situation sehen sich derzeit ca. 28 Prozent der Befragten (Herbst 2025: 17 Prozent). Auch im Vergleich zum vergangenen Frühjahr zeigt sich eine Verschlechterung, denn seinerzeit sahen noch 42 Prozent der befragten Betriebsinhaber ihre Unternehmen in einer guten Verfassung. Mit Blick auf die kommenden Monate erwartet etwa die Hälfte der Betriebe (51 Prozent) keine Veränderung der Lage, 29 Prozent erwarten eine Verbesserung und 20 Prozent eine weitere Eintrübung ihrer Situation.[1]







Verstetigter Abwärtstrend des Geschäftsklimas im Hamburger Handwerk

Das Geschäftsklima im Hamburger Handwerk zeigt weiterhin eine abnehmende Tendenz. Der Verlauf des Hamburger Handwerks-Index zeigt dies deutlich an: Der saisonbedingt zu erwartende Anstieg zum Frühling ist in diesem Jahr ausgeblieben. Stattdessen ist festzustellen, dass der Index weiter abgesunken ist. Der aktuell errechnete Wert von 106 Punkten liegt nur noch knapp oberhalb der Schwelle von 100 Punkten, die rechnerisch den Übergang zu einer wirtschaftlichen Depression markiert.

Zum Teil dürfte die überwiegend negative Beurteilung der wirtschaftlichen Situation durch die Folgen der aktuellen Kriegshandlungen im Nahen Osten beeinflusst sein. Neben den Belastungen durch stark gestiegene Energiepreise stellen sich derzeit Befürchtungen über die Störung von internationalen Lieferketten ein. Tatsächlich sind erste Auswirkungen im Hamburger Handwerk bereits messbar. Zwar antwortete der weit überwiegende Teil der Befragten auf eine in die Konjunkturumfrage eingefügte Sonderfrage, dass sich Lieferschwierigkeiten in ihrem Betrieb in der Regel nicht zeigen bzw. sich aktuell noch nicht eingestellt haben. Doch berichten immerhin neun Prozent der Handwerksunternehmen, nunmehr mit steigenden Materialpreisen und auch ersten Lieferengpässen konfrontiert zu sein.

*Die hier zugrundeliegende Konjunkturumfrage wurde im Zeitraum vom 17. bis zum 29. März 2026 online durchgeführt. Da die Zahl der Teilnehmer den Zielwert für eine repräsentative Umfrage nicht erreicht hat, gelten die hier vorgestellten Daten als valides Meinungsbild. Siehe dazu auch unten „Die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer“


Der Hamburger Handwerks-Index (HHX)

Der HHX errechnet sich als geometrischer Mittelwert aus dem Saldo der Meldungen über eine aktuell gute und eine aktuell schlechte Geschäftslage sowie dem Saldo der Angaben über gute und schlechte Geschäftserwartungen. Damit entspricht er methodisch dem Geschäftsklima-Indikator, den der Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) auf Bundesebene berechnet. Ein Wert von 100 Punkten markiert die Grenze zwischen überwiegend positiver und überwiegend negativer Konjunkturlage (siehe Grafik).






Die aktuelle Geschäftslage nach wirtschaftlichen Parametern



Beschäftigung: Trotz der anhaltend angespannten Wirtschaftslage bleibt die Beschäftigung im Hamburger Handwerk durchgängig stabil. Das ist typisch für den mittelständisch geprägten Wirtschaftsbereich mit einer Vielzahl inhabergeführter Betriebe. Etwa zwei Drittel der befragten Betriebe melden weiterhin eine unveränderte Mitarbeiterzahl. Der Anstieg des Anteils von Betrieben, die einen verringerten Personalbestand angeben, ist saisonbedingt zu interpretieren. Bei einem Vergleich mit dem Frühjahr des vergangenen Jahres hat der Anteil von Betrieben mit gestiegener Beschäftigung sogar zugenommen. Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass der seit mehreren Jahren anhaltende Trend eines schleichenden Beschäftigungsrückgangs offenbar nicht gebrochen ist (siehe Grafik).

Umsatz: Die Hälfte der befragten Betriebe (51 Prozent) berichtet, dass ihre Umsätze im vergangenen Quartal gesunken sind. Dagegen kann nur etwa jeder zehnte Betrieb (11 Prozent) gestiegene Umsätze melden. Damit hat sich die Situation gegenüber dem Vorjahr merklich verschlechtert, denn im vergangenen Frühjahr berichteten nur etwa 40 Prozent der Betriebsinhaber über Umsatzeinbußen. Waren in der Herbstumfrage des vergangenen Jahres Betriebe, die personenbezogene Dienstleistungen erbringen oder für den gewerblichen Bedarf arbeiten, stark von Umsatzrückgängen betroffen, so sind es aktuell vorwiegend die Lebensmittelhandwerke.

Auftragsbestand: Der Auftragsbestand des Hamburger Handwerks zeigt erneut eine rückläufige Tendenz. Zwar meldet nach wie vor etwa die Hälfte der befragten Betriebe einen stabilen Auftragsbestand, doch im Vergleich zu den vergangenen Befragungen hat sich der Anteil der Betriebe mit schrumpfenden Auftragsbeständen immer weiter erhöht: von 30 Prozent im vergangenen Frühjahr und 32 Prozent im vergangenen Herbst sind es nunmehr 38 Prozent. Dagegen steht nur noch ein Anteil von 13 Prozent der Handwerker, die in der Befragung über einen Anstieg der Zahl abzuarbeitender Aufträge berichten konnte.

Verkaufspreise: Aktuell melden mehr als 40 Prozent der befragten Handwerksbetriebe, dass sie ihre Verkaufspreise im vergangenen Quartal erhöht haben. Damit ist der Wert aus dem vergangenen Frühjahr praktisch wieder erreicht. Der Anteil der befragten Handwerksbetriebe, die ihre Preise senken mussten, ist dagegen auf eher geringem Niveau geblieben. Ihr Anteil hat sich von sieben auf neun Prozent erhöht. Trotz der unbefriedigenden wirtschaftlichen Lage bleibt der allgemeine Kostendruck also offenbar hoch, so dass viele Handwerksbetriebe die Preise für ihre Leistungen anheben.

Investitionen: Zeigte sich im vergangenen Sommer ein optimistisch stimmender Anstieg des Anteils derjenigen Betriebe, die über verstärkte Investitionsanstrengungen berichteten, so ist der Anteil nunmehr auf 14 Prozent der Betriebe zurückgegangen. Immerhin ist umgekehrt der Anteil von Betrieben mit verringerten Investitionen nicht gestiegen. Es setzt sich also der schon seit Jahren anhaltende Zustand verhaltener Investitionstätigkeit weiter fort (siehe Grafik).





Geschäftserwartungen: Ausblick auf das zweite Quartal 2026

Mit Blick auf das kommende Quartal rechnet die Hälfte der Hamburger Handwerksbetriebe nicht mit einer Veränderung. Wie der Vergleich mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres zeigt, liegt der Anteil derjenigen, die eine Verbesserung ihrer Lage erwarten, erneut bei etwas unter 30 Prozent. Allerdings ist der Anteil der pessimistisch in die Zukunft blickenden Handwerksunternehmerinnen und Handwerksunternehmer deutlich gestiegen, und zwar von 15 auf nunmehr 21 Prozent. Vorboten einer wirtschaftlichen Belebung im Hamburger Handwerk sind also derzeit nicht erkennbar.

In diesem Frühjahr geben nur noch etwa drei Viertel der Betriebsinhaber an, dass sie für die nächste Zeit einen unveränderten Personalbestand erwarten. Im vergangenen Herbst lag dieser Anteil trotz des anstehenden Winters noch bei 87 Prozent. Die Anteile derjenigen, die in ihren Unternehmen mit ansteigender oder aber abnehmender Beschäftigung rechnen, ist allerdings ausgewogen; es sind jeweils 12 Prozent.

Was die Entwicklung der Auftragsbestände betrifft, so überwiegt der Optimismus stärker als im vergangenen Frühjahr. Ein Drittel der befragten Handwerker erwartet ein Ansteigen, wogegen nur 18 Prozent ein Absinken erwarten.

Es ist weiterhin mit einem leichten Preisauftrieb zu rechnen, denn einmal ist gegenüber dem vergangenen Herbst der Anteil derjenigen Betriebsinhaber zurückgegangen, die von stabilen Verkaufspreisen ausgehen (von 76 auf 58 Prozent). Gleichzeitig geht nun mehr als ein Drittel der befragten Betriebsinhaber davon aus, dass sie ihre Preise im kommenden Quartal anheben werden.





Entwicklungen in den einzelnen Handwerksbranchen

Die vorhandene Datengrundlage erlaubt nur eine vorsichtige Beurteilung branchenspezifischer Besonderheiten. Entsprechend sind die folgenden Aussagen lediglich als Meinungsbild Hamburger Handwerksbetriebe zu betrachten.



Hatten bei der letzten Befragung im Herbst über 60 Prozent der befragten Betriebe von einer guten wirtschaftlichen Situation berichtet, so hat sich dieser Anteil jetzt im Frühjahr auf etwa ein Drittel reduziert. Umgekehrt hat sich der Anteil derjenigen, die nur von einer befriedigenden Lage berichten, von 23 auf 50 Prozent verdoppelt. Der Anteil der Betriebe, denen es ausgesprochen schlecht geht, liegt aktuell bei 17 Prozent. Damit ist die Ausgangslage ähnlich wie im vergangenen Jahr.
Die Rückgänge im Ausbaugewerbe waren im vergangenen Winter moderat und sind vorwiegend als Folge der saisonalen Schwankung zu interpretieren. Der Anteil der Betriebe, die eine gute Lage verzeichnen, ist vom vergangenen Herbst bis jetzt von 48 auf 39 Prozent gesunken. Entsprechend ist der Anteil von Unternehmen mit nur befriedigender oder gar schlechter Lage angestiegen. Die Aussichten werden überwiegend optimistisch eingeschätzt: Etwa ein Drittel der Betriebe erwartet eine Belebung ihres Geschäfts, während etwa die Hälfte eine stabile Entwicklung vor Augen hat.
Die Handwerke, die überwiegend für den gewerblichen Bedarf arbeiten, leiden weiterhin unter der geringen Investitionsbereitschaft der Gesamtwirtschaft. Zwar bezeichnen rund 40 Prozent der befragten Betriebe ihre Lage als gut. Dem stehen aber weitere 40 Prozent gegenüber, die ihre Lage als nur befriedigend angeben und rund 20 Prozent, die sich nach eigener Einschätzung in einer schlechten Situation befinden. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag dieser Wert noch bei 15 Prozent. Hatten zu dem Zeitpunkt noch etwas mehr als ein Viertel der befragten Betriebsinhaber von einem steigenden Auftragsbestand berichtet, so sind es aktuell nur noch 11 Prozent. Entsprechend werden die Zukunftsaussichten überwiegend negativ beurteilt. Zwar erwarten aktuell ca. 25 Prozent der befragten Betriebe eine Verbesserung ihrer Situation in den kommenden Monaten. Dagegen stehen jedoch ca. 30 Prozent, die eine Verschlechterung vor Augen haben.
Die in den vergangenen Monaten entstandene Unsicherheit über die politischen Vorgaben zur Gestaltung des Übergangs von Verbrennungsmotoren hin zu elektrisch betriebenen Fahrzeugen erzeugt eine schwierige Ausgangslage. Zusätzlich dürften nun die aktuell stark angestiegenen Kraftstoffpreise auf die Stimmung drücken. Dies schlägt sich auch im Hamburger Kraftfahrzeuggewerbe nieder. Berichteten noch im vergangenen Frühjahr mehr als 40 Prozent der befragten Kraftfahrzeugbetriebe über eine gute und nur etwa 11 Prozent über eine schlechte wirtschaftliche Lage, so melden nunmehr fast 60 Prozent der Befragten eine schlechte Lage. Immerhin erwartet etwa ein Drittel der Befragten eine Verbesserung in den kommenden Monaten, wogegen nur etwa 17 Prozent mit einer weiteren Verschlechterung in ihrem Betrieb rechnen.
Wurde von den Befragungsteilnehmern im vergangenen Frühjahr zu knapp unter 40 Prozent berichtet, dass sich ihr Unternehmen in einer schlechten wirtschaftlichen Lage befindet, so sind es nunmehr etwa drei Vierteil. Niemand unter den Befragten meldet aktuell noch eine gute Lage. Das Ergebnis ist durchaus beunruhigend, weil die Branche schon seit mehreren Jahren mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Etwa ein Viertel der Betriebe erwartet für die kommenden Monate eine weitere Verschlechterung ihrer Lage.
Die Situation der Gesundheitshandwerke zeigt sich gegenüber dem vergangenen Herbst unverändert. Zwar gibt es derzeit keine Meldungen über Unternehmen in einer ausgesprochen schlechten Lage, doch geben um die zwei Drittel der befragten Betriebe nur befriedigende Geschäftsergebnisse an. Allerdings herrscht Optimismus für den weiteren Jahresverlauf, denn eine deutliche Mehrheit der befragten Handwerker im Gesundheitsbereich erwartet für das kommende Quartal eine Belebung ihres Geschäfts, ohne dass dem negative Erwartungen gegenüberstehen.
Wie die aktuelle Befragung zeigt, konnte die leichte Verbesserung der Geschäftslage, die sich im vergangenen Sommer eingestellt hatte, nicht stabilisiert werden. Im Vergleich mit dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres ergibt sich sogar eine ernsthafte Verschlechterung bei den personenbezogenen Dienstleistungen: Schätzten im vergangenen Frühjahr noch etwa 27 Prozent der Befragten ihre Lage als schlecht ein, so sind es gegenwärtig mehr als 40 Prozent. Dem stehen nur 24 Prozent der befragten Betriebsinhaber gegenüber, die ihre wirtschaftliche Situation aktuell als gut einstufen. Positiver sind die Erwartungen. Hier äußerte mehr als ein Drittel der Befragten, dass sie von einer baldigen Verbesserung ihrer Lage ausgehen.