21.04.2026Handwerkskammerpräsident Stemmann: „Betriebe brauchen jetzt klare politische Signale!“
Der Hamburger Handwerksindex HHX sinkt weiter – die Frühjahrsbelebung bleibt aus. Nur noch 30 Prozent der Betriebe melden eine gute Geschäftslage
Hamburg, 21. April 2026 – Die wirtschaftliche Lage des Hamburger Handwerks hat sich gegenüber dem vergangenen Herbst weiter verschlechtert. Der Frühjahrs-Konjunkturbericht der Handwerkskammer Hamburg zeigt: Der Hamburger Handwerksindex HHX ist erneut gesunken und liegt mit 106 Punkten nur noch knapp über der Schwelle von 100 Punkten, die den Übergang zu einer überwiegend negativen Konjunkturlage markiert. Die saisonbedingt zu erwartende Frühjahrsbelebung ist erstmals seit vier Jahren ausgeblieben. Damit setzt sich ein negativer Trend fort, der nun bereits gut zwei Jahre anhält.
Die Hamburger Handwerksbetriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage zurückhaltender als noch im Herbst 2025. Der Anteil der Betriebe, die eine gute Geschäftslage melden, ist von 44 Prozent im Herbst 2025 auf 30 Prozent gesunken. In einer schlechten Situation sehen sich derzeit rund 28 Prozent der Befragten – gegenüber 17 Prozent vor einem halben Jahr. Auch im Vergleich zum vergangenen Frühjahr zeigt sich eine Verschlechterung, denn seinerzeit sahen noch 42 Prozent der Betriebsinhaber und -inhaberinnen ihre Unternehmen in einer guten Verfassung. Mit Blick auf die nächsten Monate erwartet etwa die Hälfte der Betriebe (51 Prozent) keine Veränderung der Lage, 29 Prozent erwarten eine Verbesserung und 20 Prozent eine weitere Eintrübung ihrer Situation.
Die Beschäftigung bleibt trotz der angespannten Wirtschaftslage durchgängig stabil – typisch für das mittelständisch geprägte Handwerk mit einer Vielzahl inhabergeführter Betriebe. Etwa zwei Drittel der befragten Betriebe melden weiterhin eine unveränderte Mitarbeiterzahl. Grundsätzlich ist jedoch festzuhalten, dass der seit mehreren Jahren anhaltende Trend eines schleichenden Beschäftigungsrückgangs nicht gebrochen ist.
Bei der Umsatzentwicklung hat sich die Lage spürbar verschlechtert: Gut die Hälfte der befragten Betriebe (51 Prozent) berichtet über gesunkene Umsätze im vergangenen Quartal. Nur etwa jeder zehnte Betrieb (11 Prozent) kann gestiegene Umsätze melden. Im vergangenen Frühjahr berichteten noch rund 40 Prozent der Betriebsinhaber über Umsatzeinbußen – aktuell sind es vor allem die Lebensmittelhandwerke, die besonders betroffen sind.
Der Auftragsbestand zeigt erneut eine rückläufige Tendenz. Der Anteil der Betriebe mit schrumpfenden Auftragsbeständen hat sich von 30 Prozent im vergangenen Frühjahr über 32 Prozent im Herbst auf nunmehr 38 Prozent erhöht. Nur noch 13 Prozent der Handwerker berichten über einen Anstieg der Aufträge.
Bei den Verkaufspreisen melden mehr als 40 Prozent der befragten Betriebe Preiserhöhungen im vergangenen Quartal. Der Anteil derjenigen, die ihre Preise senken mussten, ist mit neun Prozent auf eher geringem Niveau geblieben. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage bleibt der Kostendruck also hoch.
Die schon seit Jahren anhaltende Zurückhaltung bei den Investitionen setzt sich fort. Der Anteil der Betriebe, die über verstärkte Investitionsanstrengungen berichten, ist auf 14 Prozent zurückgegangen.
Zum Teil dürfte die negative Stimmungslage durch die Folgen der aktuellen Kriegshandlungen im Nahen Osten beeinflusst sein. Neben den Belastungen durch gestiegene Energiepreise bestehen Befürchtungen über die Störung internationaler Lieferketten. Neun Prozent der Handwerksunternehmen berichten bereits über steigende Materialpreise und erste Lieferengpässe.
Hjalmar Stemmann, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, ordnet ein: „Das Geschäftsklima im Hamburger Handwerk ist derzeit deutlich eingetrübt. Quer durch die Gewerke belasten ausbleibende Wachstumsimpulse aus der Politik, die Fernwirkungen internationaler Krisen und insbesondere die stark gestiegenen Energie- und Kraftstoffpreise die unternehmerischen Perspektiven. Das hat nicht zuletzt negative Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der Betriebe. Sie brauchen deshalb jetzt klare politische Signale: zügige Entlastungen sowie verlässliche Rahmenbedingungen für die Transformation im Bau, in der Mobilität und in der Energieversorgung seitens des Bundes. Und der Hamburger Senat ist gefordert, seine Vergabe- und Förderpolitik stärker auf das Handwerk auszurichten. Ein Lichtblick ist, dass die Handwerksbetriebe an ihren Beschäftigten festhalten und immerhin noch knapp 30 Prozent in den nächsten Monaten eine Verbesserung erwarten.